Cold IPO Fallstudie

Ein Börsengang über einen Börsenmantel („Cold IPO“) hat gegenüber einem klassischen Börsengang deutliche Vorteile und eignet sich für verschiedenste Ausgangssituationen:

– Zeitersparnis:

Bei einem Cold IPO schlüpft Ihr Unternehmen in einen bestehenden Mantel, es entfallen Gründungs- und Börsenzulassungsformalitäten. Dadurch gelingt der Börsengang deutlich schneller, was insbesondere in einem unsicheren Marktumfeld einen deutlichen Vorteil darstellt.

– Kostenersparnis:

Die Börsenzulassung und die dazu notwendige Beratung durch Juristen und Wirtschaftsprüfer ist mit hohem finanziellen Aufwand verbunden. Kosten für einen Börsengang im Regulierten Markt belaufen sich üblicherweise auf mittlere sechsstellige EUR-Beträge. Insbesondere die Erstellung des Börsenprospektes lassen sich die begleitenden Banken und die mit ihnen zusammen arbeitenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Anwaltskanzleien teuer bezahlen.

Wie läuft ein Cold IPO konkret ab?

Am Anfang steht üblicherweise der Erwerb einer entsprechenden Beteiligung an einem Börsenmantel. Dies können börsennotierte Gesellschaften sein die ihr operatives Geschäft aufgegeben oder ausgegliedert, ihre Börsennotierung jedoch bewahrt haben. Ebenfalls denkbar sind Unternehmen die ein Insolvenzplanverfahren durchlaufen haben. Letztere haben den Vorteil dass alle „Altlasten“ sicher bereinigt sind und die neue Geschäftstätigkeit gänzlich unbelastet gestartet werden kann.

Die Beteiligung an dem Börsenmantel sollte ausreichend hoch sein, um Beschlüsse in der Hauptversammlung mit den notwendigen Mehrheiten fassen zu können. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, denn es handelt sich meist um langjährig börsennotierte Unternehmen die über einen entsprechenden Streubesitz verfügen. Je nach Streubesitz und üblicher Hauptversammlungspräsenz kann ein Erwerb von 30-40% der Aktien bereits ausreichend sein, um auch Beschlüsse mit Dreiviertelmehrheit der in der Hauptversammlung vertretenen Aktien zu fassen.

Im nächsten Schritt wird die Einbringung der Zielgesellschaft vorbereitet. Üblicherweise geschieht dies durch eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage, verbunden mit einer Sitzverlegung und weiteren Satzungsänderungen des Börsenmantels, der hierdurch wieder zu einem aktiven Unternehmen wird. Im Gegenzug für die Einbringung der Zielgesellschaft erhält der Einbringer Aktien der börsennotierten Gesellschaft und baut hierdurch seine Aktionärsstellung aus. Hierdurch wird deutlich dass der initiale Umfang der erworbenen Beteiligung am Börsenmantel von untergeordneter Bedeutung ist.

Mit Eintragung der Sachkapitalerhöhung (und der weiteren satzungsändernden Beschlüsse) ist die Einbringung abgeschlossen. Aus dem nicht-börsennotierten Zielunternehmen ist eine börsennotierte Gesellschaft geworden, die alle Vorzüge des Kapitalmarktes nutzen kann (und natürlich auch alle kapitalmarktrechtlichen Pflichten zu erfüllen hat). Es steht dem neuen Hauptaktionär z.B.  frei durch Verkauf von Aktien aus seinem Bestand die Aktionärsbasis zu verbreitern oder mit Durchführung von Barkapitalerhöhungen auch neues Kapital einzuwerben.

In den USA ist das Cold IPO bereits eine weit verbreitete Möglichkeit, ein Unternehmen mit geringerem Zeit- und Kostenaufwand an die Börse zu bringen. Auch in Deutschland gibt es viele Beispiele erfolgreicher Mantelbörsengänge. In vielen Fällen sind die Unternehmen seit dem Cold IPO so stark gewachsen dass ihre Vergangenheit als Börsenmantel längst in Vergessenheit geraten ist: